• Simone Jacob

WECHSELJAHRE - FREUND ODER FEIND?


Photographer: Stephan Glathke
Keinen meiner Geburtstage fand ich bedrohlich, bis zum 50. Bisher wurde ich einfach älter und nahm davon kaum Notiz. Mit der Aussicht auf meinen 50. Geburtstag war das anders. Die 50 bedeutete einen Wechsel. Einen Wechsel von der fruchtbaren zur unfruchtbaren Frau.

Seit der Pubertät, also beinahe 35 Jahre, sorgten meine Hormone dafür, dass ich monatlich meine Periode bekam und mehr oder weniger empfängnisbereit war. Mein SEIN war von diesem monatlichen Rhythmus bestimmt. Auf ein Hoch während des Eisprungs, folgte kurz vor und während der Periode, ein Tief mit Heulanfällen, schlechter Laune, Bauch- und Rückenschmerzen.

Oft sehnte ich mit meinen Freundinnen die Wechseljahre herbei, damit dieses Übel endlich aufhört. Und dann standen sie plötzlich vor der Tür. Die Wechseljahre. Schnell war klar, dass die periodische Quälerei nur ersetzt wurde von neuen unangenehmen Symptomen. Ich fühlte mich wie in einer zweiten Pubertät.

Mein Kopf wurde zur Baustelle. Ich konnte mir Namen schlechter merken, war schneller genervt und deutlich näher am Wasser gebaut als sonst. Und Letzteres nun nicht nur monatlich, sondern STÄNDIG. Ein Bericht über leidende Tiere, Menschenschicksale oder sentimentale Musik, schon flossen die Tränen. Egal wo! Auf der Straße, im Flugzeug, bei der Arbeit. Es war nicht einfach damit umzugehen.

Auch meine Haut veränderte sich. Durch die Abnahme des Hormons Östrogen und des Vorhormons DHEA verliert die Haut die Fähigkeit Feuchtigkeit zu speichern.

Zu den Falten die ich bis zu meinen Wechseljahren gesammelt hatte, kam nun ein Elastizitäts-Verlust der Haut. Bis dahin war mein Körper fest und straff. Jetzt fing die Haut insgesamt an nachzugeben. Sehr dezent zwar, aber dennoch für mich sichtbar. Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich meinen sich wandelnden Körper mit Erstaunen im Spiegel betrachtete und dachte: „Schau’ an, so geht das also, das mit dem Älter werden.“ Ich erinnerte mich an den Spruch, „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Und das war erst der zarte Anfang. Desto schneller ich mich mit der Frau in dieser neuen, alten Haut anfreundete, umso besser, dachte ich.

Bei jeder Frau verlaufen die Wechseljahre etwas anders. Mir blieben viele typische Symptome erspart. Ich konnte schlafen, hatte keine Hitzewallungen und nahm dank Intervallfasten nicht zu. Ok., die Lust egalisierte sich vielleicht etwas. Aber ich fand und finde das nicht unangenehm.

Alles wird etwas unaufgeregter und lässt mehr Raum für die Liebe und das Fühlen.

Mit 54 war ich dann endlich durch mit den Wechseljahren. Stattdessen kam eine neue Gelassenheit und Großzügigkeit in mein Leben. Durch den Wechsel halfen mir u.a. die Gespräche mit Freundinnen, viel Bewegung in frischer Luft und Sport  Hormone als Helfer, habe ich nie genommen.

Infos: In den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke immer weniger Geschlechtshormone. Viele Frauen leiden in dieser Zeit unter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Vergesslichkeit, Gelenkschmerzen. Durch die Abnahme des Östrogens verliert die Haut außerdem an Elastizität, denn es wird weniger Elasten und Kollagen produziert und der Wasser- und Fettgehalt der Haut nimmt ab. Die Hormonschwankungen verwandeln das Gehirn in eine Baustelle, ähnlich wie in der Pubertät. Die Gefühle fahren Achterbahn. Der Wechsel trifft die meisten Frauen zwischen 45 und 55.

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