• Simone Jacob

SEI MUTIG - SAG NEIN




Viele Jahre lang war das Thema meines Lebens „to be everybodys darling“. Ich wollte von allen geliebt werden, nirgendwo anecken, niemanden enttäuschen, immer die Zuverlässige, Perfekte sein. Kurz die für jeden „Funktionierende“. Dabei hatte ich ganz übersehen, dass ich eben kein Auto, keine Maschine, sondern ein Mensch bin.


Erst mit den Jahren und einige Selbst-Erfahrungs-Seminare später, verstand ich, dass „everybodys darling“ auch schnell „everybodys Depp!“ ist.

Und nicht nur das! Egal wie sehr ich mich anstrenge, allen kann ich es sowieso nicht recht machen. Es wird immer jemanden geben, dem irgendetwas an mir nicht gefällt. Dem einen gefällt meine Nase, dem nächsten nicht. Objektiv bleibt meine Nase jedoch immer die Gleiche. Sympathie ist eben mehr als 1 + 1 = 2. Sie besteht aus Chemie, persönlichen Vorlieben und den aktuellen Befindlichkeiten zweier Menschen.


Ich nahm mir fest vor öfter NEIN zu sagen. Am Anfang musste ich mich regelrecht darauf programmieren. Ich hatte verlernt oder vielleicht nie gelernt in mich hinein zu hören und zu spüren, was ICH eigentlich will. Zu schnell und leicht rutschte mir das JA heraus. Viele Jahre Gewohnheit und Konditionierung auf das nette Mädchen. Ich vermied Kritik und Konflikte.

Mit dieser Strategie bin ich nicht allein. Ich teile sie mit Millionen anderer Frauen. Ein typisch weibliches Drama. Mädchen werden von klein auf durch subtile Zeichen und Lobs dazu ermutigt, nett, gefällig zu sein, sich anzupassen.


Das verzaubert die Männerwelt. Vermeintlich bekommt Frau so ihren Willen. Nur manchmal eben nicht. Denn mit unserem netten Lächeln landen wir leider immer wieder in einer Sackgasse. Während wir noch unsere Gesichtsmuskeln verziehen, hat Mann die Ellenbogen schon ausgefahren, Pläne und Ansagen gemacht. Während wir nett lächelnd hinter herdackeln, hat er längst das Territorium erobert und sich zum Anführer etabliert.


Nicht, dass Männer das in böser Absicht machen. Von Geburt an, wachsen sie eine andere Rolle hinein als Mädchen. Später, wenn genügend Adrenalin durch ihre Adern fließt und ihre Stimme tiefer wird, nimmt auch ihr Durchsetzungsvermögen zu. Es ist ja nicht ihr Problem, dass wir uns klein machen. Es liegt an uns, uns groß zu machen.


Dabei spricht die Stimme und die Sprache eine wichtige Rolle.Im Vergleich zu Männern sparen Frauen eher mit klaren Formulierungen. Schade, denn die Art der Präsentation ist wichtiger für die Wahrnehmung als der Inhalt.


Statt zu sagen, „ich bin der Meinung“, „ich möchte“ oder einfach „nein, ich will das anders“, sagen Frauen gerne „vielleicht könnte man“, „sicher ist es Quatsch was ich sage, aber…“, „ich meine ja nur irgendwie….“. Wir eiern herum und machen uns damit das Leben schwer.


Solange ich denken kann, war die Heldin meiner Kindertage Pipi Langstrumpf. Das ungehobelte, ungestüme Mädchen, deren Motto es ist: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir ihr gefällt“. Auch ich wollte so sein. Dafür brauchte ich nur eines: Den Mut mich unbeliebt zu machen. JA, ich würde Freunde und Arbeitskollegen verprellen. Ja, ich würde Menschen verlieren, aber ich würde auch Neue gewinnen. Denn durch meine Klarheit, meine Haltung wurde ich authentischer, berechenbarer, ehrlicher, greifbarer.


Das musste ich üben. Manchmal hatte ich solche Angst davor NEIN zu sagen, dass ich die vier Buchstaben beinahe aggressiv ausspucken musste, um sie überhaupt über die Lippen zu bekommen. Es fiel mir immer wieder schwer, jemandem einen Wunsch abzuschlagen, aber ich übte weiter und freute mich auch über kleine Erfolge.


Nur wenn unser Denken, Fühlen mit unserem Handeln übereinstimmt, sind wir in Balance. Dann sind wir kraftvoll und authentisch und können unser Potenzial leben. Daher, traue Dich „NEIN“ zu sagen. Es gibt viel zu gewinnen. DICH! Denn wie heißt es so schön, „brave Mädchen kommen in den Himmel, Böse überall hin.“
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