• Simone Jacob

WAS WIR durch CORONa LERNEN KÖNNEN


Gerade eben war die Welt noch in Ordnung. Alles lief so vor sich hin und plötzlich stecken wir mitten drin in einer weltweiten Krise. Hervorgerufen durch einen Virus. Corona! Kaum einer hätte das für möglich gehalten.

Es verbreitet sich exponentiell und holt sich meist die Alten und Menschen mit Vorerkrankungen. Diese rasante Entwicklung halten wir nur mit einem kompletten Shut-Down allen öffentlichen Lebens auf.


Ich bin aufgewachsen in einer Welt ohne Krieg, ein sicheres Dach über dem Kopf, ohne Hunger, die einzige Sorge: wie kann ich mein Potential möglichst erfüllend und gleichzeitig gewinnbringend leben. Die Wirtschaftskurve schien stetig weiter nach oben zu klettern, kein Ende in Sicht. Allgegenwärtig die Gier nach mehr. Natürlich zu Lasten der Umwelt. Das wurde billigend in Kauf genommen, von den Großen aber auch von uns Kleinen. Oder mal ehrlich, wer hat wirklich auf all’ die Annehmlichkeiten verzichtet, wie neue Klamotten, Coffee To Go, Einkaufen im Plastik-Supermarkt, Flugreisen, ein Auto etc.


Wir sind alle Konsumenten, mich eingeschlossen. Mitbauer des Bootes in dem unsere Welt im Jahr 2020 sitzt. Die einen mehr, die anderen weniger. Wir brauchten unsere mutigen und klugen Kinder um aufzuwachen. Mit „Fridays For Future“ zeigten sie uns, dass wir uns wehren müssen. Doch zu wenig kommt bei den Mächtigen an. Einschränkungen, Selbstdisziplin, umweltfreundliche Alternativen stehen gegen Gewinnmaximierung. Was wir alle nicht schaffen, erledigt nun das Coronavirus innerhalb weniger Wochen. Durch die Ausgangssperre wird unser gesamtes bisheriges Leben abgeschaltet. Unsere Jobs, Wirtschaft, Mobilität, Geldfluss, soziale Begegnungen, unser Geplapper, Lärm, Abgase, die Produktion von Autos, Produkten, Kleidern, Waren. Und Zack und Weniger ist es auch mit dem ganzen Umwelt-Dreck.

Dank Corona und dem damit verbundenen, weitgehenden wirtschaftlichen Stillstand in vielen Ländern, atmet unsere Erde endlich auf. Alles ist eine Sache des Blickwinkels. Nichts ist eben nur gut oder böse. Unsere Erde schert sich nicht um den Virus. Sie dreht sich einfach weiter.

Und zum ersten Mal seitdem es uns Menschen gibt, kann der Planet, den wir so dicht besiedeln, aufatmen. In unserer ganzen Menschheits-Geschichte waren wir nicht in der Lage uns freiwillig zu zügeln und den Pause-Schalter zu drücken. Und das obwohl wir uns als vernunftbegabte und intelligente Wesen bezeichnen. Quasi als die Schöpfung der Natur. Naja, danach sieht unser Handeln bisher nicht aus.

Klar, für mich als Selbstständige hat die Ausgangssperre verheerende Folgen. Alle meine Jobs wurden abgesagt, d.h. bis auf weiteres habe ich kein Einkommen. Ich lebe von meinen Reserven und kann mir ausrechnen, wie lange ich finanziell durchhalte bis mein Konto auf Null ist. Und trotzdem finde ich unseren erzwungenen Stillstand wundervoll. Endlich Ruhe im Kopf und um mich herum.

Ich darf Zuhause herum lümmeln und die Dinge erledigen, zu denen ich sonst nie komme. Ich widme mich stundenlang meinem Garten, schneide mit Hingabe die alten Gräser herunter, kürze die Hortensien, kärchere die Treppe, schleife die alten Holzfenster ab und lackiere sie neu, lese, male, bildhauere. Wie lange ist es her, dass ich keine Eile, keinen Zeitdruck hatte? Und auch kein Freizeitstress! Ich muss nicht auf Veranstaltungen, Partys, Abendessen, egal ob mit Freunden oder Geschäftspartnern. Nicht, dass ich unsozial bin, aber manchmal finde ich dieses immer präsent, immer sozial kompatibel sein auch anstrengend.


Es ist eine Zeit um nach innen zu schauen, zu hinterfragen was wirklich zählt im Leben. Von welchen Werten werde ich getragen, welche Menschen sind mir nah? Auch von wem oder was kann ich mich trennen, mich leichter machen?


Der Virus zwingt mich zur Reduktion alles Überflüssigen. Von der Ablenkung zur Konzentration auf das Wesentliche. Klopapier gehört übrigens nicht dazu :-). Es ist weder notwendig um zu überleben noch ist es hygienisch. Deshalb besitze ich ein Bidet (Po-Dusche!). Übrigens, wirklich sehr zu empfehlen.

Ich denke, dass Ruhe und Einsamkeit (Eins-sein mit mir) wichtig sind in unserer reizüberfluteten Welt. Im täglichen Hamsterrad gönnen wir sie uns viel zu selten. Deshalb wünsche ich uns allen, dass wir diesen erzwungen Rückzug positiv nutzen. Er ist auch eine Chance sich selbst klarer zu sehen.


Keiner weiß, wie lange die Ausgangssperre gelten wird…..Aber was wäre eigentlich, wenn wir DURCH den Virus zu der Einsicht kämen, dass auch in der Zeit nach dem Virus, ein kompletter weltweiter Shut-Down einmal die Woche der einfachste und beste Umweltschutz wäre. Dann hätten wir aus einer schlimmen Sache etwas wirklich Positives gelernt. Und auch uns täte so ein persönlicher Shut-Down gut. Oder meint Ihr nicht?



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