• Simone Jacob

Schick' Deine routine in die Wüste


Photos by Roman Kuhn

Wir alle haben unsere lieb gewonnenen Rituale. Dinge, Handlungen ohne die wir nicht in den Tag starten wollen, die unseren Alltag strukturieren, süßer machen, uns anschieben und Sicherheit geben.


Für mich startet der Tag beispielsweise immer mit einer Tasse Milchkaffe im Bett und dem Lesen der neuesten Online-Nachrichten. Danach geht es in die Dusche und erst dann - ich weiß, eigentlich unlogisch - mache ich eine halbe Stunde Sport. Jetzt erst bin ich fit für den Tag. Natürlich geht es, wenn ich auswärts arbeite auch anders, aber ja, dann fehlt mir etwas. Zumindest der Milchkaffe ist essentiell für mein Tagesgefühl.

Oft stehen wir uns mit unseren Ritualen im Weg. Nämlich dann, wenn sie zur festgefahrenen Routine werden und wir uns ohne sie schlechter, sogar funktionsuntüchtig fühlen.


Nach dem Motto: Oh Gott, keinen Kaffee heute, wie kann ich den Tag nur überleben.“ Und schon bekommt alles einen faden Geschmack. Natürlich spielt sich das alles nur in meinem Kopf ab, denn rein körperlich hat sich ja nichts verändert. Womöglich scheint sogar die Sonne, meine Arbeitskollegin begrüßt mich besonders nett und ich habe einen neuen Kunden gewonnen. Und trotzdem! Es hilft alles nichts, denn schließlich fehlt der verdammte Kaffee!

Das ist nur ein simples, vielleicht etwas überzogenes Beispiel, wie sehr uns festgefahrene Routinen manchmal behindern den Tag zu genießen.





Wir mutieren zu Maschinen, die nur beim Einwurf einer Münze die entsprechenden Moods produzieren. Wir erschaffen uns damit unseren eigenen Sklavenhalter. Nichts spricht gegen den Genuss eines herrlich, duftenden Milchkaffees, aber er sollte nicht unseren Tag bestimmen.


Deshalb plädiere ich dafür, Routinen öfter mal zu durchbrechen. Etwas ungewöhliches machen! Kleine Veränderungen im Tagesablauf können vermeintlich unbedeutend sein und dennoch Großes bewirken.

Beobachte was es mit Dir macht, wenn Du beispielsweise, morgens statt Kaffee frischen Orangensaft mit Ingwer trinkst, statt schlechte Nachrichten zu lesen, mit dem Hund am Boden tollst, statt die Wohnung putzt einen langen Spaziergang in der Natur machst. Das hört sich alles ziemlich normal an.





Du kannst Deine Anti-Routine aber auch steigern und etwas Verrückteres machen.

Beispielsweise endlich den Mut aufbringen Dich von Deinen langen Haaren zu trennen und Dir noch heute einen frechen Kurzhaarschnitt zulegen. Du kannst nicht singen und tust es deshalb nur heimlich im Auto wo es keiner hört? Hervorragend melde Dich bei einer Gesangslehrerin an und lasse alle verfügbaren Töne aus Dir raus. Du isst immer nur vegan? Tue etwas wirklich verrücktes und „gönne“ Dir Junk-Food ;-), vielleicht eine Currywurst oder etwas ähnlich „böses“, „verbotenes“.


Manchmal müssen wir ausbrechen um lebendig zu bleiben. Nichts ist in Stein gemeißelt. Das Durchbrechen von Routinen kann kurzzeitig Dein Wohlgefühl durchwirbeln. Freu’ Dich darauf, denn ist eine Chance Dich neu zu erfahren.


Jeder von uns trägt irgendeinen Sklavenhalter in sich herum. Meiner ist manchmal sehr streng mit mir und besteht darauf, dass ich nicht ausflippe und meinen Körper immer unter Kontrolle habe. Ich kenne meinen Körper gut, da ich viel Sport mache, aber das sind eben immer nur geregelte, ordentliche Bewegungen. Ich wollte aber immer schon meinen Körper in all’ seinen Bewegunsmöglichkeiten kennenlernen, mich verbiegen, verdrehen, hüpfen, keuchen, lachen, lächerlich aussehen. Deshalb habe ich mir von meinem Liebsten gewünscht, dass er seine Kamera bei nächster Gelegenheit einfach mal durchrattern lässt, während ich mich zum Kaspar mache. Auf unserer Wanderung im Tramuntana Gebirge in Mallorca, hat er mir diesen Gefallen getan. Die Fotos seht ihr hier.


Hach, war das herrlich. Keinen Gedanken daran zu verschwenden wie ich aussehe, ob schön oder albern…alles egal…Hauptsache Spaß!!!

Traut Euch! Lasst Euch von der Routine-Leine….und bitte lasst mich an Euren Erfahrungen teilhaben :-)...schreibt mir wie es Euch erging.


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